Frau darf... 100 Jahre Künstlerinnen an der Akademie

Im Herbst 2020 jährt es sich zum hundertsten Mal, dass Frauen an der Akademie der Bildenden Künste in München als Studierende zugelassen wurden. Künstlerinnen konnten vor diesem Zeitpunkt nur an einer der zahlreichen privaten Malschulen studieren. Im Gegensatz zum gebührenfreien Akademiebesuch war das Studium an den Malschulen teuer. Nur wohlhabende Malschülerinnen konnten sich so eine Ausbildung leisten.

Dies war nicht immer so: 1813 wurde Maria Ellenrieder als erste Frau an der Münchner Akademie immatrikuliert. Bis 1839 folgten ihr 47 Studentinnen (von insgesamt rund 2.500 Studierenden), mit einer Ausnahme: Der Bildhauerin Elisabeth Ney gelang es als einziger Frau, sich zwischen 1839 und 1920 offiziell einzuschreiben. Von 1839 bis 1919 blieb Frauen über mehrere Generationen hinweg der Zugang zur Münchner Kunstakademie versperrt, unabhängig davon, wie talentiert oder entschlossen sie waren, Künstlerin zu werden.

Reformkleid, um 1910, Staatliches Textil- und Industriemuesum Augsburg (tim), Foto: Frauke Wichmann

Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Forderungen nach dem Frauenwahlrecht und einer verbesserten Frauenbildung immer lauter. Es formierten sich unterschiedliche Vereine für "Fraueninteressen". Ausdruck des neuen Selbstverständnisses der Frauen war auch die Kleidung.

Der Erste Weltkrieg mit seiner "Emanzipation auf Zeit", in der Frauen ihren Mann stehen mussten, und vor allem die Ausrufung der Republik beschleunigten den Emanzipationsprozess. Die Novemberrevolution des Jahres 1918 brachte den Frauen schließlich die formale Gleichberechtigung und das Wahlrecht. Nun konnte auch die Akademie der Bildenden Künste Frauen den Zugang nicht mehr länger verweigern.

Im Oktober 1920 öffnete sich die Akademie nun wieder auch weiblichen Studierenden. Unter den 70 frisch immatrikulierten Student*innen befanden sich 17 Frauen. Von Gleichstellung war in der männerdominierten Gesellschaft aber noch lange keine Rede.

Die Ausstellung beschreibt die Bedingungen an der Akademie der Künste und macht sichtbar, wie hart umkämpft der Kunstmarkt in den 1920er Jahren war. Sie zeigt die kurze Phase, in der Künstlerinnen versuchten, sich zu etablieren ehe der weibliche Aufbruch von den Nationalsozialisten wieder im Keim erstickt wurde. Nicht zuletzt wird deutlich, welchen Themen sich die Künstlerinnen widmeten und wie sich das Selbstverständnis der Frauen in der Kunst wandelte.

Das Museum Fürstenfeldbruck präsentiert in Kooperation mit der Akademie der Bildenden Künste München Werke dieser ersten Künstlerinnen und thematisiert die frühe Frauenbewegung und die Ausbildungsbedingungen für Künstlerinnen vor der Akademiezulassung.

Ladies permitted ……100 years of female artists at the Academy English version

The winter of 2020 will see the 100th anniversary of female students being accepted into the Munich Academy of Fine Arts. Until such time women were restricted to studying at one of the many private art schools. While tuition at the Academy came at no cost, private institutions charged high fees, thus limiting admission to those from wealthy backgrounds.
What happened before 1920: The year 1813 saw the first female artist, Maria Ellenrieder, enrol at the Academy. A further 47 female students had followed suite by 1839 (with an overall number of 2,500 students). With the exception of the sculptor Elisabeth Ney, no further female students were officially matriculated at the Academy between 1839 and 1919, regardless of their talent or aspirations.
The second half of the 19th century saw growing demands for women’s right to vote and a right to better education. A diversity of associations fighting for female interests emerged as a result. Having to stand their own ground during the first world war, women took a step towards ‘temporary emancipation’, the subsequent proclamation of the Republic helped accelerate the process further. The November revolution of 1918 formally brought women equal rights and the right to vote. This meant the Academy of Fine Arts could no longer refuse female students.
The Academy reopened its doors to female students in 1920. A total of 70 students were matriculated that year, 17 of which female. In a predominantly male society the road to equal rights for all was still long however. Our exhibition depicts conditions at the Academy and portrays the tough competition prevailing in the art market of the 1920s. Not least it becomes clear which topics female artists turned to and how the female sense of self within the world of art evolved.

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