Kloster Fürstenfeld

Die Geschichte von Kloster Fürstenfeld ist ein Schwerpunkt des Museums. Die inhaltlich und gestalterisch modern konzipierte Darstellung der Klostergeschichte würdigt die herausragende Bedeutung des einst weit über Bayerns Grenzen hinaus berühmten Zisterzienserklosters in einer großzügigen Raumfolge. Originale Objekte und der Einsatz neuer Medien bieten facettenreiche Blicke auf das Leben im Kloster, die Spiritualität und Geschäftstüchtigkeit des Ordens und das Verhältnis des Konventes zum Landesherren. Glanzlichter der Ausstellung sind die Figuren vom einstigen Stiftergrabmal der Wittelsbacher und Skulpturen und Tafelbilder des spätgotischen Hochaltars der Klosterkirche, die als Meisterwerke spätmittelalterlicher Kunst in Süddeutschland gelten.

 

Herzog Ludwig der Strenge mit seinen drei Frauen, Eichenholz, gefasst, 1505-1513

Sühnekloster Frstenfeld

Kloster Fürstenfeld wurde 1263 von Herzog Ludwig II. als Sühne für die Hinrichtung seiner ersten Frau Maria von Brabant gestiftet. Undurchsichtig sind die Hintergründe des gewaltsamen Todes der jungen Herzogin, die aus einer mächtigen Familie stammte. Vielschichtig waren die Motive des bayerischen Herzogs, ein Zisterzienserkloster am westlichen Rand seines Machtgebiets anzusiedeln. Neben Reue und Bußfertigkeit zeigt sich auch die politische Zielstrebigkeit des jungen Herzogs, der religöise mit wirtschaftlichen Interessen zu verbinden verstand. Großzügig war die Ausstattung mit Ländereien, Privilegien und Steuerrechten, die der Stifter seinem Hauskloster mitgab, das er schließlich zur Familiengrablege bestimmte.

 

Trauernder Mönch vom Stiftergrabmal, Eichenholz, 15. Jahrhundert

Jenseitsvorsorge und Machterhalt

Das Hauskloster der Wittelsbacher war ein mächtiger gesellschaftlicher Faktor, der für die Jenseits-Vorsorge, die politische Stabilität und den ökonomischen Rückhalt des Landesherrn sorgte. Die enge Beziehung war geprägt vom Geben und Nehmen. Das Kloster bestätigte mit Gedächtnisfeiern das Gottesgnadentum der Dynastie und leistete damit einen wichtigen Beitrag zur Legitimation ihrer Herrschaft. Das Herrscherhaus förderte die Klosterökonomie mit Stiftungen und Sonderrechten. Nach einem erfolgreichen Start, nach den Krisen der Reformationszeit und der Stabilisierung der Beziehung zum Landesherren in der Barockzeit erfolgte überraschend 1803 die Auflösung des Klosters.

 

Wappenbecher des Abtes Alexander Pellhammer, Unbekannter Glasschneider aus Böhmen Glas, graviert mit mattiertem Tiefschnitt, Laub- und Bandelwerkdekor, Böhmen 1745

 

Gehorsam und Versuchung

Das Leben der Mnche folgte einem lückenlosen Stundenplan. Der Tagesablauf der Mönche bestand aus zwölf Stunden gemeinsamer Liturgie, Messen und religöisen Studien, sechs Stunden Schlaf und ein bis zwei Mahlzeiten. Jeder Mönch war zu sechs Stunden Arbeit verpflichtet, die zur Frühzeit des Ordens auf dem Feld zu leisten war. Später dann wurde die körperliche Arbeit durch Tätigkeiten im Kloster oder in der Seelsorge ersetzt. Eine individuelle Lebensgestaltung im Kloster war undenkbar. Die Regeln forderten Gehorsam, Armut und Enthaltsamkeit. Das Verbot, sich außerhalb der Klostermauern aufzuhalten und das strikte Sprechverbot mussten unbedingt beachtet werden.Nicht alle Mönche waren bereit, allem Weltlichen zu entsagen. So gab es auch in Fürstenfeld Diebe, Brandstifter, Mörder und Mönche, die auf Sexualität nicht verzichten konnten. Mit Nahrungsentzug, körperlichen Strafen und Haft im klostereigenen Kerker, Versetzung in ein anderes Kloster und Ausschluss aus dem Orden wurden die Delinquenten bestraft. Die Klostermauer trennte nicht nur zwei Lebens-, sondern auch zwei Rechtswelten: Strafen im Innern des Klosters wurden durch die Ordensstatuten und die Rechtshoheit des Abts bestimmt.

 

Seele im Fegefeuer, Hinterglasbild, um 1800

Unternehmensziel Seelenheil

Kloster Fürstenfeld war nicht nur in geistlicher Hinsicht, sondern auch wirtschaftlich die größte Macht in der Region. Die modern anmutende Struktur der Klosterökonomie kann mit einem Konzern unserer Zeit verglichen werden.Die Geschäftsfelder mit weltlichen und geistlichen Immobilien, Handel und Geldwesen und die personelle Hierarchie im Klosterbetrieb mit dem Abt an der Spitze, dem Prior als Stellvertreter und dem Cellerar als Bereichsleiter zielten auf ein effektives Wirtschaften.Stiftungen an das Kloster in Form von Ländereien, Geld und Gütern stellen den Kapitaleinsatz der Aktionäre dar.

Das Unternehmensziel war nicht die Ausschüttung von Gewinn an die Mönche oder einzelne Stifter. Die Erträge kamen dem gesamten Klosterbetrieb zugute. Die Unternehmensphilosophie des Klosters galt nicht dem Profit auf Erden, sondern zielte auf das Jenseits. Die Reinheit des mönchischen Lebens, die man durch Einhaltung der Klosterregeln und die Hingabe an Gott zu erreichen suchte, versprach allen Beteiligten einen Zuwachs an Seelenheil für das Leben nach dem Tode.

 

Aufbau barocker Stuckdekoration, Arbeitsmodell

Kloster im Wandel

Während der über 540 Jahre dauernden Existenz hat sich das Erscheinungsbild des Zisterzienserklosters Fürstenfeld mehrmals komplett gewandelt. Architektur, künstlerische Ausstattung und Musik suchten immer wieder Anschluss an die Entwicklungen der Zeit, ein Charakteristikum, das auch auf die anderen Bereiche des Ordenslebens zutraf. Die Entwicklung von einer äuerst sparsamen Ästhetik der Frühzeit des Ordens hin zu barocker Pracht stellt sich nicht als Verfallserscheinung dar, sondern als lebenswichtige Strategie, das Überleben des Klosters zu sichern.

Strenge, Einfachheit und Funktionalität kennzeichnen die mittelalterlichen Klosterbauten der Zisterzienser ebenso wie monumentale Größe und ästhetische Raumwirkung.Diese Kriterien galten auch für das gotische Kloster Fürstenfeld. Doch wurde das Zisterzienserkloster durch zahlreiche Umbauten immer wieder den aktuellen Bedürfnissen des Konvents, aber auch dem Baugeschmack der Zeit angepasst.

Schließlich folgte man dem repräsentativen Bedürfnis des Herrscherhauses und errichtete in der Barockzeit ein großzügiges Konventgebäude, das höchsten höfischen Ansprüchen als Residenz genügte, und eine Klosterkirche, die mit ihrem mächtigen Bau und dem prachtvollen Innenraum geistliche und weltliche Herrschaft als gottgewollt versinnbildlichte.

 

Barocke Skulpturen aus dem Kloster Fürstenfeld, 18. Jahrhundert

 

 

Furstenfeld Monastery / English version

The museums main focus is on the history of Furstenfeld Monastery. The exhibition, contemporary in content and design and housed in a spacious sequence of rooms, gives credit to the enormous importance of this Cistercian Monastery which used to be well known across the borders of Bavaria. Original objects and the use of modern technology help to provide an insight into life at the monastery, its spirituality, excellent business sense and the relationship it held with its sovereign.

Highlights of the exhibition are statues from the former grave of the Wittelsbach family, the founders of Furstenfeld Monastery, as well as sculptures and panel paintings from the late gothic high altar, all of which considered masterpieces of late medieval art in Southern Germany.

 

A Monastery built on Repentance

The monastery owes its existence to the execution of Maria von Brabant by order of her husband Ludwig II, Duke of Bavaria. Regretting his deed, the Duke did penance by founding Frstenfeld Monastery in 1263. Why the young duchess, who came from a powerful family, had to die remains obscure to this day. The Dukes reasons for building this Cistercian monastery located on the western boundaries of his territory were manifold. His motivation was no doubt one of sorrow and repentance but he was equally driven by his political determination to combine religious and economic interests. The Duke generously endowed the monastery with land, privileges and taxation rights and eventually chose to house the tomb of the Wittelsbach family at Furstenfeld.

 

The Afterlife and Retention of Power

The family monastery of the House of Wittelsbach played a socially powerful role. It paved the way to heaven and ensured political and economic stability. The close relationship between sovereign and monastery was indeed very much one of give and take. The monastic community would celebrate commemoration services thus underlining the divine rights of the Dynasty and legitimizing its rule. The Dynasty in turn would support the monastery with donations and special privileges. After a successful start, having survived the time of the Reformation and stabilised the relationship with its sovereign in the Baroque period, the monastery was unexpectedly dissolved in 1803.

 

Obedience and Temptation

The life of the monks followed a strict timetable. It consisted of 12 hours of common prayer, mass and religious studies, six hours of work, six hours of sleep and one or two meals a day. Work in the early days meant working in the fields, while farm work was replaced by activities within the monastery or providing spiritual care in later years. A self-determined lifestyle within the monastery was out of the question. Rules demanded obedience, poverty and abstinence, setting foot outside the monastery walls and speaking to others was strictly prohibited. However, not all complied and the monastery had its share of thieves, arsonists, murderers or those who would not forego sexuality. Punishments were severe, ranging from being deprived of food, physical punishment, being thrown in the monasterys dungeons, transferred to another monastery or expelled from the religious order altogether. Sentences within the monastery walls were determined by the statutes of the order and the abbots jurisdictional powers.

 

Salvation of the soul a corporate policy

Furstenfeld monastery was the leading religious and economic power in the region, with a structure resembling that of a large business corporation. It dealt in privately and church owned property and was actively involved in trade and finance. Economic success was ensured by an effective hierarchical structure with the abbot at its head, a prior as his second in command and a cellarer in the position of division manager. Donations of land, money or other worldly goods represented todays shareholder investment.

There was, however, no distribution of profits to either donors or monks, corporate policy was not one of material gain in this life. The focus was on the afterlife instead and the promise of a good life after death was likely to be fulfilled by a complete devotion to God and strict adherence to monastic rules.

 

A Monastery in transformation

Since its foundation more than 540 years ago the Cistercian monastery has seen many changes. Its architecture, artistic design, musical styles as well as life within the monastic community would be adapted to reflect the tastes and thinking of changing times. The transformation from the early spartan look of the convent to one of baroque splendour should by no means be interpreted as a sign of moral decay but in fact a survival strategy.

 

The monastic buildings of medieval times and indeed the gothic period are as much marked by their sternness, simplicity and functionality as by their monumental grandeur and aesthetic appearance. To comply with the Dynastys growing representational needs and obligations, changes implemented in the baroque period turned the monastery building into a courtly residence of the highest standards while the church with all its splendour underlined the Dynastys god given right to rule.

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